Ein Kanzleisitz mit Geschichte

Das Gebäude Neuer Wall 86 in Hamburg, im kühlen barocken Klassizismus erbaut, ist in Hamburg unter den Bezeichnungen "Görtz-Palais", "Petersen-Haus" oder "Altes Stadthaus" bekannt. Dahinter verborgen ist die wechselvolle Geschichte des Hauses.

Die Bebauung des Neuen Wall fand zu Beginn des 18. Jahrhunderts statt. Eines der ersten Häuser, die dort errichtet wurden, war um 1710/11 das Palais des Freiherrn von Schlitz, genannt von Görtz, leitender Minister und rechte Hand des Königs Karl XII. von Schweden. Seine Erben vermieteten das Haus 1722 an die Hansestadt, die es 1726 kaufte. Sie stellte es fortan den Kaiserlichen Gesandten zur Verfügung. Seit der Auflösung der Gesandtschaft im Jahre 1806 stand das Gebäude der Stadt wieder zur freien Verfügung. In der Franzosenzeit wurde es als "Hotel de Ville" der Sitz des von den Franzosen eingesetzten Bürgermeisters.

Nach der Befreiung Hamburgs von den Besatzern wurde es von der Polizeibehörde genutzt, und bereits vor der Zerstörung des Rathauses beim Großen Brand 1842 dienten seine großen Repräsentationsräume für offizielle Festlichkeiten und Empfänge der Stadt. Bis zu seiner Bombardierung im Sommer 1943 blieb es Sitz der Polizeibehörde. 1953 kaufte der Germanische Lloyd das Gebäude von der Stadt und baute es unter Einbeziehung der unter Denkmalschutz stehenden Fassade als Bürogebäude wieder auf. Heute ist eine Versicherungsgesellschaft Eigentümerin des Gebäudes.

Die Rechtsanwälte Dr. Weiland und Partner und die verbundenen Gesellschaften nutzen das "Görtz-Palais" seit 1980.